Bei geraden Treppen ist die Auswahl an Schutzgittern groß und die Montage meist unkompliziert. Doch was tun bei Wendeltreppen, offenen Treppen ohne Setzstufen oder ungewöhnlichen Treppenformen? Diese besonderen Situationen erfordern durchdachte Lösungsansätze, die über Standard-Treppenschutzgitter hinausgehen.
Für Eltern mit außergewöhnlichen Treppenformen stellen sich viele Fragen: Wie lässt sich eine Wendeltreppe sichern, wenn keine durchgängigen Wände vorhanden sind? Welche Optionen gibt es bei offenen Treppen mit großen Zwischenräumen? Die gute Nachricht: Auch für diese Herausforderungen existieren praktikable Sicherheitslösungen.
Die Auswahl des richtigen Systems hängt von der individuellen Treppensituation ab. Während bei manchen ungewöhnlichen Formen bereits verfügbare Standardlösungen mit speziellen Befestigungen funktionieren, erfordern andere Situationen kreative Ansätze oder Kombinationen verschiedener Sicherheitselemente.
Wendeltreppen: Befestigung am Geländer als Lösung
Wendeltreppen stellen eine besondere Herausforderung dar, da sie meist keine durchgängigen Wände für die Befestigung von Standardgittern bieten. Bei Wendeltreppen mit ca. 110 cm Breite, wo links und rechts keine Wand ist, muss die Befestigung am Geländer erfolgen.
Die Lösung liegt in speziellen Befestigungssystemen für Treppengeländer. Einige Treppenschutzgitter* können auch an runden Geländern montiert werden, wofür jedoch Y-Spindeln* verwendet werden müssen, die separat erhältlich sind. Bei senkrecht oder diagonal verlaufenden Geländerstäben bis 40 mm Durchmesser kann man mit Y-Adaptern jedes Schutzgitter* auf ein Treppenschutzgitter* umrüsten, indem man die Wandhalterungen gegen die Y-Spindeln* austauscht.
Eine bewährte Methode ist die einseitige Befestigung am Geländer. Das Treppenschutzgitter* wird auf einer Seite über mitgelieferte Klemmen an jedem Geländer montiert und auf der anderen Seite gegen die Wand gedrückt. Diese Konstruktion ist stabiler als oft vermutet: Das Gitter ist wirklich nur an einer Seite verschraubt und hat nur leichtes Spiel, kann aber nicht aufgezogen oder gedrückt werden.
Offene Treppen ohne Setzstufen sichern
Offene Treppen ohne Setzstufen sind architektonisch ansprechend, bergen aber zusätzliche Gefahren für Kleinkinder. Die offenen Zwischenräume zwischen den Stufen können zu Sturz- oder Klemmfallen werden. Bei diesen Treppen reicht es nicht aus, nur den oberen oder unteren Zugang zu sperren – die gesamte Treppe kann zur Gefahrenquelle werden.
Für offene Treppen gibt es verschiedene Ansätze. Anstelle eines Durchfallnetzes lässt sich auch ein schmaler Teppichläufer über die Treppe legen und, je nach Stufenmaterial, mit doppelseitigem Klebeband befestigen. Allerdings ist diese Lösung nur eine temporäre Maßnahme und nicht für alle Materialien geeignet.
Eine professionelle Lösung sind spezielle Füllsysteme oder Netze, die die gefährlichen Zwischenräume zwischen den Stufen verschließen. Dabei ist wichtig zu beachten: Eine generelle Lösung, um offene Treppen sicher für kleine Tiere und Kinder zu machen, gibt es nicht. Jede offene Treppe erfordert eine individuelle Betrachtung und möglicherweise eine maßgeschneiderte Lösung.
Flexible Netzsysteme als Alternative
Für komplexe Treppensituationen haben sich flexible Netzsysteme etabliert. Absperrnetze dienen als flexible Alternative zu starren Treppengittern und sind mit Gurtschnellverschlüssen zur seitlichen Befestigung erhältlich. Diese Systeme können an verschiedene Treppenformen angepasst werden und bieten Lösungen für Situationen, in denen starre Gitter nicht funktionieren.
Der Vorteil von Netzsystemen liegt in ihrer Anpassungsfähigkeit. Sie können bei L-förmigen Treppen, unregelmäßigen Winkeln oder Podest-Konstruktionen eingesetzt werden. Die Installation erfolgt über Schnellverschlüsse, die eine werkzeuglose Montage ermöglichen und bei Bedarf schnell entfernt werden können.
Flexible Netze sind optisch weniger auffällig als massive Gitter und können bei Nichtgebrauch zusammengefaltet werden. Sie müssen jedoch den gleichen Sicherheitsstandards entsprechen wie starre Treppenschutzgitter* und sollten nur von zertifizierten Herstellern bezogen werden.
Kombinationslösungen für komplexe Situationen
Manche Treppensituationen erfordern eine Kombination verschiedener Sicherheitselemente. Ein typisches Beispiel ist eine Wendeltreppe mit anschließendem geraden Treppenlauf. Hier kann die Wendeltreppe mit einem Geländer-Befestigungssystem gesichert werden, während für den geraden Bereich ein klassisches Klemmgitter* zum Einsatz kommt.
Bei der Planung von Kombinationslösungen ist besondere Aufmerksamkeit erforderlich. Nicht alle Systeme sind miteinander kompatibel, und die Übergänge zwischen verschiedenen Elementen müssen sorgfältig geplant werden, um Sicherheitslücken zu vermeiden. Die verschiedenen Komponenten sollten optisch und funktional aufeinander abgestimmt sein.
Sicherheitsnormen auch bei Sonderlösungen beachten
Auch bei ungewöhnlichen Treppenformen gelten die strengen Sicherheitsnormen für Treppenschutzgitter. Die Europäische Norm EN 1930 für Kinderschutzgitter beschreibt deren Sicherheitsanforderungen, Werkstoffeigenschaften, Montagerichtlinien und Wirksamkeit der Schließmechanismen.
Die Grundanforderungen sind klar definiert: Das Kinderschutzgitter muss mindestens 65 cm hoch sein, damit Kinder unter zwei Jahren es nicht überklettern können. Der Abstand zwischen den senkrechten Elementen darf maximal 6,5 cm betragen, um ein Einklemmen des Kinderkopfes zu verhindern.
Diese Anforderungen gelten auch für Sonderlösungen und individuelle Anfertigungen. Bei der Auswahl von Spezialsystemen ist daher darauf zu achten, dass der Hersteller über entsprechende Zertifizierungen verfügt.
Installation und Wartung bei besonderen Befestigungen
Die Installation von Schutzgittern bei ungewöhnlichen Treppenformen erfordert oft andere Befestigungsmethoden als bei Standardsituationen. Bei Geländerbefestigungen ist besonders wichtig, dass das vorhandene Geländer die zusätzliche Belastung tragen kann. Die Umrüstung mit Y-Adaptern ist schnell und einfach ohne Werkzeug möglich.
Spezielle Befestigungssysteme erfordern oft intensivere Wartung als Standardlösungen. Die Befestigungspunkte sollten regelmäßig auf festen Sitz überprüft werden, da durch die Bewegung der Kinder und alltägliche Beanspruchung Verschlüsse sich lockern können. Eine monatliche Kontrolle ist empfehlenswert.
Bei einseitigen Befestigungen am Geländer ist besonders darauf zu achten, dass die Mechanik einwandfrei funktioniert. Die beweglichen Teile – Scharniere, Verschlüsse und Verriegelungen – benötigen regelmäßige Reinigung und gegebenenfalls Behandlung mit geeigneten Pflegemitteln.
Lösungsübersicht für verschiedene Treppenformen
Diese Tabelle hilft bei der ersten Orientierung. Bei komplexeren Situationen oder Unsicherheiten sollten Sie fachkundigen Rat einholen, da die Kindersicherheit oberste Priorität hat.
| Treppensituation | Empfohlene Lösung | Befestigungsart | Wichtiger Hinweis | Selbstmontage |
|---|---|---|---|---|
| Wendeltreppe mit stabilem Geländer | Y-Adapter für Geländerstäbe | Klemmen am Geländer (bis 40mm Durchmesser) | Werkzeugfreie Montage möglich | Ja |
| Wendeltreppe: Geländer + eine Wand | Einseitige Geländerbefestigung | Geländer verschraubt, andere Seite an Wand geklemmt | Stabiler als erwartet | Ja |
| Offene Treppe (keine Setzstufen) | Kombination aus Gitter + Zwischenraumsicherung | Individuell nach Treppe | Jede Treppe braucht eigene Lösung | Oft nein |
| L-förmige oder gewinkelte Treppe | Flexibles Schutznetz | Gurtschnellverschlüsse an vorhandenen Befestigungspunkten | Passt sich Winkeln an | Ja |
| Standard-Treppe, sehr breit (über 110cm) | Spezielle Weitspann-Systeme | Verstärkte Wandbefestigung oder Mittelstützen | Höhere Belastung berücksichtigen | Teilweise |
| Treppe ohne Wände/Befestigungspunkte | Stützgestell-Konstruktion | Freistehende Stützen mit Schutzgitter* | Meist maßgefertigte Lösung nötig | Nein |
Fazit – Sichere Lösungen für jede Treppensituation
Ungewöhnliche Treppenformen stellen zwar besondere Anforderungen an die Kindersicherung, sind aber durchaus lösbar. Die moderne Industrie bietet verschiedene Ansätze – von speziellen Befestigungssystemen für Geländer über flexible Netze bis hin zu Kombinationslösungen für komplexe Situationen.
Der Schlüssel liegt in der sorgfältigen Analyse der individuellen Gegebenheiten und der Auswahl geeigneter, zertifizierter Systeme. Dabei dürfen bei aller Kreativität die Sicherheitsnormen nicht vernachlässigt werden. Die EN 1930 gilt für alle Treppenschutzgitter – unabhängig von ihrer Bauform oder Befestigungsart.
Bei Unsicherheiten oder besonders komplexen Situationen sollte fachkundiger Rat vor Ort eingeholt werden. Denn bei der Kindersicherheit sind Kompromisse nicht akzeptabel.





